

Die SGKJPP konnte sich an der Ausarbeitung des Fachberichts zur Agenda Grundversorgung beteiligen und ihre Forderungen einbringen. Massnahmen wie eine stärkere interprofessionelle Zusammenarbeit gehen in die richtige Richtung. Die Finanzierbarkeit der angepeilten Massnahmen muss aber auf anderen Wegen sichergestellt werden.
Bigna Keller, Co-Präsidentin SGKJPP
Mit der «Agenda Grundversorgung» ist die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen expliziter ein Thema geworden. Die SGKJPP war dazu eingeladen, sich als ärztlicher Stakeholder gemeinsam mit der SGPP an diesen Arbeiten zu beteiligen, welche die Grundversorgung stärken sollen. Das ist nicht selbstverständlich: Als 2015 noch unter Alain Berset das Forum Medizinische Grundversorgung ins Leben gerufen wurde, das nun aktuell die Arbeiten zur «Agenda Grundversorgung» steuert, blieben die psychiatrischen Fachgesellschaften jeweils aussen vor.
In der Zwischenzeit konnten wir unsere Sichtbarkeit stärken und für die Erkenntnis sensibilisieren, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie als eigenständige Fachrichtung berücksichtigt und involviert werden muss.
Unsere Vertreterinnen und Vertreter waren in beiden Arbeitsgruppen präsent: im Handlungsfeld A (innovative Versorgung, Weiterentwicklung der Berufsprofile und Klärung der Rahmenbedingungen) sowie im Handlungsfeld B (Nachwuchsförderung, Arbeitsbedingungen und Berufsverweildauer).
Im Handlungsfeld A wurde intensiv zu Versorgungsmodellen diskutiert. Dazu gehören die integrierte Versorgung, die interprofessionelle Zusammenarbeit und die Möglichkeit, dass Ärztinnen und Ärzte bestimmte Aufgaben an andere Gesundheitsfachpersonen wie medizinische Praxisassistentinnen, Praxis Koordinatorinnen oder Advanced Practice Nursing (APN) delegieren. Auch wurde befürwortet, dass Fachpersonen der Sozialen Arbeit besser eingebunden werden können. Der Bereich Versorgung im Alter nahm besonders viel Raum ein.
In diesem Handlungsfeld soll an folgenden Themen weitergearbeitet werden:
Im Handlungsfeld B wurden die Themen Nachwuchsförderung, Arbeitsbedingungen und Berufsverweildauer bearbeitet. Auch in dieser Arbeitsgruppe war es wichtig, immer wieder zu insistieren, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie als eigenständige Fachrichtung zu sehen ist und in allen Berichten auch erwähnt wird.
In diesem Handlungsfeld B soll an folgenden Themen weitergearbeitet werden:
Diese Entwicklungen sind im Sinne der SGKJPP. Die eingeschlagene Richtung mit dem Fokus auf integrierte Versorgungsmodelle und die Stärkung der interprofessionellen Zusammenarbeit zielen in eine gute Richtung (vergleiche unseren SÄZ-Beitrag «Fachkräftemangel erfordert neue Lösungsansätze», Nr. 27/2025). Auch die Bekämpfung des Fachkräftemangels, insbesondere beim ärztlichen Nachwuchs, wird im Bericht als zentrales und strukturelles Risiko anerkannt und prioritär behandelt.
Wichtig für die SGKJPP war das klare Bekenntnis der Bundesrätin und ihrer Verwaltung, dass die medizinische Grundversorgung im Kern eine ärztliche Aufgabe bleibt. Die Ärztinnen und Ärzte sollen aber von Aufgaben entlastet werden und Aufgaben an andere medizinische Fachpersonen delegieren. Mit der Agenda wurde auch einmal mehr bestätigt, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie zur Grundversorgung gehört.
Als kritisch betrachten wir das Thema der Finanzierbarkeit, das in den Diskussionen leider nicht aufgenommen wurde. Zudem wurden die Anliegen der Kindermedizin in den bisherigen Arbeiten nicht genügend gewichtet.
Von der «Agenda Grundversorgung» dürfen wir allerdings keine Wunder erwarten: Die Gesundheitsversorgung liegt in der Hoheit der Kantone und ist nicht Aufgabe des Bundes. Eine nationale Gesundheitsstrategie wäre wünschenswert - das ist jedoch politisch nicht einfach umzusetzen.
Der ganze Bericht zur Agenda Grundversorgung ist hier verfügbar.